Zeugnis von Bäcker August Blanke von 1917

Nie über den Krieg gesprochen
Zwei alte Dokumente erzählen aus dem Leben des August Blanke.

August Blanke wurde am 26. September 1899 im Haus Nummer 10 am Nordwall im alten Sollte geboren. Nach der Schule ging er beim Bäcker Julius Block in die Lehre und machte diese ordentlich. Dies bestätigte ihm während der Gesellenprüfung am 12. April 1917 der Prüfungsausschuss unter dem Vorsitz des Bäckermeisters Klußmann, der sein Geschäft am Bohlweg neben dem Rathaus des Fleckens Salzgitter hatte. Meisterbeisitzer war damals C. Sonnemann und Gesellenbeisitzer L. Holze.

Soweit lief im Leben des August Blanke alles in normalen Bahnen. Doch in dem Zeugnis seines Lehrmeisters Julius Block wird deutlich, dass schon zu dieser Zeit auch in Salzgitter die starken Auswirkungen des Ersten Weltkrieges zu spüren waren. Meister Block schrieb in diesem Dokument, dass sich August Blanke während dieser Zeit gut und zu seiner Zufriedenheit betragen habe. Er fügte aber noch hinzu: "Er wäre auch bis zum Schlusse seiner Lehrzeit geblieben, wenn er nicht der Frau Bäcker Kaufmann in Gustedt in der durch den Krieg geschaffenen Notlage ausgeholfen hätte". Der junge August Blanke musste also bis nach Gustedt. Das war bestimmt nicht einfach, wenn man bedenkt, um welche Zeit Bäcker in der Frühe anfangen mussten und auch noch müssen.

Und das waren sicherlich nicht die einzigen Schwierigkeiten, die der damals junge August Blanke durch den krieg erlebte. Es kam noch schlimmer:
Am 1. April 1918 wurde er eingezogen, kam nach Oldenburg. Nach Salzgitter entlassen wurde er am 8. Januar 1919. Wie aus seinen Aufzeichnungen zu ersehen ist, hatte er 1,50 Mark Marschverpflegung und 60 Mark Entlassungsgeld erhalten. Was er im Krieg erlebte, blieb offen.

Sohn Gerhard Blanke: "Er hat nie über den Krieg gesprochen". Zu Hause war auch alles anders geworden. Der Vater des Heimgekehrten -er hieß ebenfalls August- hatte am Gittertor 20 eine Baugeschäft aufgebaut. Der Sohn fand dort Arbeit, wurde Maurer, bildete sich aber weiter. Doch er wurde krank und starb schon mit 58 Jahren. Ein Jahr vorher war das Baugeschäft geschlossen worden.

Dem Vorsitzenden des Bürgervereins, Joachim Sievers, berichtete Gerhard Blanke, dass sein Vater einen Bruder namens Robert hatte, der in Gitter mit seiner Frau ein Kolonialgeschäft aufgemacht hatte, in dem nach dem Zweiten Weltkrieg viele Einwohner und Flüchtlinge aus Gitter und Hohenrode einkauften. Das Grundstück an der Straße Zum Schäferstuhl gehört heute noch der Familie.

BZV Medienhaus/Salzgitter-Zeitung Text: Horst Körner

Text:
Zeugniss
Hiermit stelle ich dem Bäcker August Blanke geb. 26.9.99 aus Salzgitter das Zeugniss aus, daß er vom 23. April 1914 bis zum 5. Februar 1917 das Bäckerhandwerk bei mir erlernt hat.
August Blanke hat sich während dieser Zeit gut und zu meiner Zufriedenheit betragen und wäre auch bis zum Schlusse der Lehrzeit geblieben, wenn er nicht der Frau Bäcker Kaufmann in Gustedt in der durch den Krieg geschaffenen Notlage ausgeholfen hätte.
Ich wünsche ihm für sein ferneres Wohlergehen das Beste.
Salzgitter, den 8. April 1917
Julius Block, Bäckermeister